Hat genug vom Ruderrennsport: Olivier Gremaud (rechts) zusammen mit Florian Stofer, Christian Stofer und Simon Stürm.

Olivier Gremaud
ist zurückgetreten

«Die vermissen mich nicht»

 

Ruderer Olivier Gremaud aus Zollikon ist vom Leistungssport zurückgetreten. Der Traum von der zweiten Teilnahme an Olympischen Spielen platzte - wegen missratener Uni-Prüfungen.

 

Von Stefan Kleiser

 

Dienstagnachmittag vor zwei Wochen im Bootshaus des Seeclubs Zürich. Olivier Gremaud müht sich im Kraftraum ab. Eigentlich ein Bild wie immer - und doch ist nichts wie früher. Denn der 28-jährige Zolliker bereitet sich nicht auf die Rudersaison vor. Gremaud, 2004 im Doppelvierer Teilnehmer an den Olympischen Spielen, hat seine Karriere beendet. Still und heimlich.

 

«Ja, ich bin zurückgetreten», bestätigt Olivier Gremaud, «weil ich im Studium durchgefallen bin.» Jetzt muss der gescheiterte Wirtschaftsstudent seine Ausbildung an der HWV beenden. Mache er das neben dem Rudersport, «bin ich 35 Jahre alt, wenn ich den Abschluss habe». Das fände Gremaud nicht gut. Also hat der Zolliker kurzerhand das Wettkampfrudern aufgegeben.

 

Beim Rudern noch draufgelegt

Rudern und Studium liessen sich nicht mehr vereinen, weil weder Rudern noch Studium Geld abwarfen. Gremaud arbeitete, und daneben ruderte oder studierte er. So verzichtete er vergangenes Jahr auf sämtliche Wettkämpfe, um das Studium abzuschliessen, was dann misslungen ist. Mit dem Training ausgesetzt hat Gremaud aber nicht, denn eigentlich war das Ende der Karriere erst nach der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2008 geplant.

 

«Wir hatten einen super Sponsor, aber wir mussten mit dem Geld des Sponsors Dinge bezahlen, die in anderen Verbänden gratis zur Verfügung stehen.» Für die WM 2005 in Gifu habe er Ausgaben von 8500 Franken gehabt, rechnet Gremaud vor, «und das waren nur die Fixkosten». Hätten Gremaud und Florian Stofer in Japan eine Medaille gewonnen, wären finanzielle Mittel des Verbandes geflossen - doch klassierten sich die beiden nur im enttäuschenden 15. Rang. «Sonst lief es normalerweise gut. Bei den Junioren waren wir in den Medaillenrängen, da übernahm der Verband einen Teil der Kosten.» Das Geld, das Gremaud fürs Weiterrudern bis zu den Olympischen Spielen gespart hatte, gibt er nun für eine Reise aus, die ihm auch Abstand zum Rudern bringen soll. «Ich habe immer viel trainiert. Konditionell bin ich einfach noch zu nahe dran», sagt Gremaud im Ruderhaus. «Ich habe das Gefühl, es bräuchte nicht viel, und ich wäre wieder vorne dabei.»

 

Trotz des leisen Abgangs bleibt ein beachtliches Palmarès zurück. 1995 und 1996 gewann Olivier Gremaud an der Junioren-WM zwei Bronzemedaillen im Achter sowie im Doppelzweier. Auch in der nächsthöheren Kategorie war er international erfolgreich: 1999 belegte Gremaud mit Philip Kudzielka am Nations Cup, der U23-WM, ebenfalls Platz drei. Erst bei den Senioren gelang der Sprung nach ganz vorne nicht mehr.

 

Nicht nach ihm erkundigt

An den Olympischen Spielen in Athen 2004 erruderte sich Gremaud im Doppelvierer mit Simon Stürm, Christian und Florian Stofer zwar Platz 8, also ein Olympisches Diplom. Doch an den WM 2003 und 2005 mussten sich Gremaud und seine Bootskollegen mit den Plätzen 10 und 15 begnügen - und wurde danach vom Verbandspräsidenten medial gescholten. Von den Funktionären des Ruderverbandes habe sich nie jemand nach ihm erkundigt, sagt Gremaud heute. Dabei hat der Zolliker 1995 vom Verband das «goldene Ehrenruder» erhalten. Gremauds Fazit: «Die vermissen mich nicht.» Das hat ihm den Rücktritt erleichtert.