Regina Naunheim liebt ihren Sport. (Foto: Beni Soland, Blick)
Regina Naunheim: Als Dank erhielt sie eine Pulsuhr Von Sabine Klapper, Blick

Der Schweizerische Ruderverband profitiert vom grossen Erfolg von Regina Naunheim. Von Dank keine Spur.

Es ist kalt, der See grau. Regina Naunheim (24), Bronze-medaillen-Gewinnerin an der EM 2008 in Athen, trainiert ganz alleine im urchigen Seeclub Wädenswil.

Unermüdlich. Gerade eben war sie im Skiff draussen, 20 Kilometer ist sie gerudert. Regina Naunheim geht einen harten Weg, testet ihre Grenzen, will immer weiter. «Das will ich erlebt haben», sagt sie.

Darum klagt Regina Naunheim nicht. Das Training macht ihr Spass, «mein Job», nennt sie die Ruderei. Eine gute Lebensschule sei das, fügt die drahtige Athletin an. Sie macht nie blau, dabei ist sie ja ihr eigener Chef. Wenn an einem schönen Sommertag die Berge rufen, bleibt sie bei ihrem Boot. Sie ist kompromisslos. Ein wichtiger Begleiter ist ihr Trainer Eberhard Rehwinkel vom Seeclub, er analysiert, nicht nur sie, auch die Gegnerinnen. «Er hat fast immer Recht, das gibt Sicherheit.»

Regina Naunheim hat sich dem Rudern verschrieben. Rudern ist wichtiger als eine berufliche Karriere. Sie absolviert bis März 09 ein Praktikum in einem Behinderten-Heim. Was danach kommt, weiss die gelernte Zierpflanzengärtnerin noch nicht. Sie weiss, dass sie 2012 in London an den Olympischen Spielen rudern möchte. Vorzugsweise im Doppelzweier.

«Riesenfreude»

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg – das ist ihr Motto. Die letzte Saison hat sie bestätigt. Sie strahlt, wenn sie vom 3. EM-Rang erzählt.

Die Medaille kam überraschend, darum herrschte «Riesenfreude», sagt sie. Ausserdem habe sie damit den SRV quasi gerettet, denn die übrigen Schweizer Ruderer– abgesehen von Pamela Weisshaupt, die Weltmeisterin im nicht­olympischen leichten Einer wurde – waren 2008 eher mit Anker unterwegs.

An den Olympischen Spielen von Peking konnte nur gerade Skiffier André Vonarburg an den Start gehen – doch den Final erreichte er nicht. Und die unschöne Auflösung des Achters, die Sprengung des Paradebootes, war Negativ-Werbung für den Schweizer Rudersport.

Regina Naunheim, die Retterin, hat vom Verband eine Pulsuhr geschenkt bekommen. Ansonsten erhält sie keine regelmässige Unterstützung. Der neue SRV-Direktor Christian Stofer habe ihr gesagt, dass bei ihm viele anklopfen. ­Dabei wäre der SRV im Fördersystem von Swiss Olympic ohne ­ihren Erfolg zurückgestuft worden. «Dank meiner Medaille ist der SRV auf Förderungsstufe 2 geblieben», sagt Regina Naunheim.

Die EM war Plan B

Christian Stofer gibt zu, dass eine Zurückstufung «uns getroffen hätte». Er fordert, dass sich Regina Naunheim im Hinblick auf 2012 in einem Olympiaprojekt bewähren muss. «Denn die EM war Plan B, Plan A wären die Olympischen Spiele gewesen.

Die Qualifikation hat Regina aber nicht geschafft.» Erst wenn die Boote formiert sind und Leistung bringen, kann über eine entsprechende Förderung gesprochen werden. Naunheim steht zwischen Tür und Angel.

Darum muss sie jetzt bei den Trainingslagern des SRV draufzahlen. Ihre Auslagen gehen in die Tausende, sagt sie. Sie lebt bescheiden, immer noch bei den Eltern. Ihr Club hilft ihr finanziell, und sie kann auf private Sponsoren zählen. «Es wäre schon schön, wenn ich mir um das Finanzielle nicht so viele Gedanken machen müsste», meint sie.

Regina Naunheim hat keine Wut in sich. «Ich kenne es nicht anders. Ausserdem darf es nicht vom Geld abhängen, ob man sich einer Sache verschreibt. Die Bronzemedaille von Athen ist unbezahlbar.»