Gründung von "Swiss Olympic Volunteer" erfolgt

Wenige Meter neben dem WM-Eishockeystadion erfolgte am Montag in Bern der Start zum Projekt «Swiss Olympic Volunteer», das den Aufbau einer nationalen Freiwilligen-Datenbank und eine Belohnung der vielen Helfer zum Ziel hat.

von Peter A. Frei, Bern

Bis 2012 sollen 40 000 Volunteers mit ihren persönlichen Interessen und Kenntnissen (z.B. Sprachen) in der Datenbank HERA erfasst sein, die den Veranstaltern als Rekrutierungsquelle zur Verfügung stehen wird. Die Freiwilligen-Bewegung wird vom Dachverband Swiss Olympic in Zusammenarbeit mit Erdgas aufgebaut. Ein bis 2012 dauernder Vertrag wurde am Montag von Swiss-Olympic-Präsident Jörg Schild und Urs Zeller, dem Marketingleiter Erdgas, unterschrieben. Erdgas kostet das Engagement eine «sechsstellige Summe pro Jahr».

Arbeit für 3 Milliarden Franken

Jörg Schild rechnete vor, dass über 630 000 Ehrenamtliche im Schweizer Sport über 75 Millionen Stunden pro Jahr (2,8 Std. pro Woche) absolvieren und dabei Arbeit für über drei Milliarden Franken im Jahr (40.-/Std.) leisten. Zum Vergleich: In Deutschland schaffen 7,5 Mio Ehrenamtliche rund 500 Millionen Stunden. Das macht 1,3 Stunden pro Woche, also knapp die Hälfte des Schweizer Einsatzes.

Unterschieden werden zwei Arten von Volunteers: die grosse Zahl der ständigen Vereinshelfer und die Veranstaltungshelfer. Die Erfassung der Vereinshelfer soll in einer zweiten Stufe erfolgen; zuerst werden die Veranstaltungshelfer in einem Pool vernetzt. Als Grundlage dient die Software HERA, die für den Gigathlon entwickelt und seither verschiedentlich eingesetzt und ausgebaut worden ist.

«Die Seele der Veranstaltung»

Gegenwärtig wird HERA bei der Eishockey-WM in Bern und Kloten eingesetzt. WM-Generalsekretär Gian Gilli, der als OK-Chef der Ski- WM 2003 in St. Moritz und «Vater» der damals berühmt gewordenen Voluntari viel Erfahrung auf diesem Gebiet besitzt, betonte die grosse Bedeutung der Freiwilligen-Bewegung. «Helfer sind die Seele einer Veranstaltung», sagte er, «ohne sie könnte ein Anlass wie die Eishockey-WM gar nicht stattfinden.» Gilli hob auch die enorme gesellschaftliche Bedeutung der Freiwilligenarbeit hervor: «Ich finde es grossartig, dass dies in unserer Gesellschaft noch möglich ist.»

Wichtig sei, dass die Volunteers gut geführt und gut betreut und dass ihre Leistungen anerkannt werden, sagte Gilli. Im neuen Volunteer-Projekt ist unter anderem ab 2011 ein alljährlich zu vergebender nationaler Award vorgesehen. Daneben will Erdgas vom kommenden Jahr an auf lokaler Ebene «Erdgas Volunteer Awards» unter die Tatkräftigsten verteilen.

Weibel im Patronatskomitee

Als Elemente der gemeinsamen Volunteer-Bewegung sind Newsletters, Schulungen, einheitliche Bekleidung, exklusive Angebote für die Freiwilligen (Ski-Tageskarten, Veranstaltungstickets) sowie gemeinsame Treffen vorgesehen. Das Volunteer-Patronatskomitee besteht aus Schild, Gilli sowie Benedikt Weibel, dem EURO-Delegierten 2008 des Bundesrats und Kandidaten für das Schweizer Fussball-Verbandspräsidium.

Ernst Strähl, der pensionierte ehemalige Sportreferent der Sportminister Adolf Ogi und Samuel Schmid, ist bei der Eishockey-WM als freiwilliger Helfer (Gästebetreuer) im Einsatz. Er schätzt an dieser Tätigkeit – wie auch viele andere Volunteers –, dass sie «einen Anfang und ein klar definiertes Ende» hat.