Auf ihnen ruhen die Schweizer Hoffnungen: Florian Stofer und André Vonarburg.

Schweizer Zuversicht für eine Medaille Fünf Schweizer Boote nehmen an der am Sonntag beginnenden und eine Woche dauernden Ruder-WM in Poznan (Pol) teil. Die Zuversicht ist gross, dass Pamela Weisshaupt als Titelverteidigerin im Leichtgewichts-Skiff erneut in die Medaillenränge rudert.

Ein Jahr nach den Olympischen Spielen in Peking ist vieles neu in der internationalen Ruderszene. Zahlreiche Boote mussten wegen Rücktritten neu zusammengestellt werden, andere Athleten versuchen sich in neuen Bootsklassen, so dass die Favoritenfelder neu zusammengestellt werden müssen. Für die Titelkämpfe in Poznan haben sich rund 1000 Athleten aus 54 Nationen in 357 Booten angemeldet.

Der Schweizer Ruderverband (SRV) ist in Polen mit fünf Booten und zehn Sportlern vertreten. Im Gegensatz zu den Vorjahren startet das langjährige Aushängeschild André Vonarburg nicht mehr im Skiff, sondern mit seinem Sempacher Klubkollegen Florian Stofer im Doppelzweier. Das ehemals hoffnungsvolle Olympia-Achter-Projekt wurde aufgelöst und sind die Athleten sind mit wenigen Ausnahmen von der Bildfläche verschwunden. Einzig Florian Stofer verblieb im Nationalkader.

SRV-Direktor Christian Stofer zeigte sich zuversichtlich, dass seine Athleten die gesteckten Ziele erreichen werden: «Alle sind gesund und fit und haben gute Trainingslager in Sarnen und auf dem Rotsee hinter sich. Fortschritte gegenüber dem Weltcup-Final in Luzern Mitte Juli sind bei den meisten ersichtlich.» Anfang Jahr waren die Saisonziele mit Top-10-Rangierungen in den olympischen Bootsklassen und A-Final-Teilnahmen in den nicht-olympischen Kategorien formuliert worden. Alle Schweizer Selektionierten haben diese Ziele heuer im Weltcup bereits einmal erreicht.

Die grössten Schweizer Hoffnungen ruhen auf dem schweren Doppelzweier mit Vonarburg und Stofer und auf Pamela Weisshaupt, die letztes Jahr im Leichtgewichts-Skiff in Linz überraschend den WM-Titel gewonnen hat. Vonarburg und Stofer rudern erst diese Saison zusammen im Doppelzweier. Wegen einer Rippenverletzung von Stofer mussten sie die ersten zwei Weltcup-Regatten in Banyoles und München ausfallen lassen. In Luzern gewannen sie den B-Final (7. Schlussrang) und überzeugten mit einer starken Zeit im Halbfinal, die in der anderen Serie locker zur Teilnahme im A-Final gereicht hätte. Wegen dem verzögerten Formaufbau ist den beiden Innerschweizern in Poznan trotz starker Konkurrenz eine weitere Leistungssteigerung zuzutrauen.

Auch Weisshaupt hat wegen Erschöpfungssyndromen keinen optimalen Saisonaufbau hinter sich. Erst in Luzern nahm die Zürcherin die internationalen Wettkämpfe auf und fuhr gleich auf den 4. Platz. Eine erfolgreiche Titelverteidigung ist jedoch im Nach-Olympia-Jahr schwierig, weil erfahrungsgemäss diverse Ruderinnen in den nichtolympischen Leichtgewichts-Skiff zurückkehren und damit die Konkurrenz vergrössern.

Frédéric Hanselmann im Leichtgewichts-Skiff der Männer hatte in Luzern ebenfalls den A-Final erreicht und war auf den 5. Platz gerudert. Das Vorhaben, auch in Poznan unter die ersten sechs zu gelangen, dürfte jedoch wesentlich schwieriger werden. In Polen haben sich 25 Teilnehmer angemeldet.

Gespannt darf man auf das Abschneiden der zwei Mannschaftsboote bei den Männern im Leichtgewicht sein. Der Doppelzweier mit Simon Niepmann und Oliver Angehrn fuhr in Banyoles auf den 7. Platz. Auf dem Rotsee qualifizierten sich die beiden Zürcher erneut für den B- Final, mussten wegen Erkrankung Angehrns jedoch auf die Teilnahme verzichten.

Für drei der vier Athleten im Vierer ohne bedeutet die WM Neuland. Mario Gyr (SC Luzern), Lucas Tramèr (CA Vésenaz), Patrick Joye (Grasshopper) und Silvan Zehnder (SC Zürich) fuhren jedoch gleich in ihrer ersten gemeinsamen Weltcup-Saison auf die Plätze 8 (Banyoles) und 10 (Rotsee). Dieses Boot wird mit Blick auf die Olympischen Spiele in London (2012) behutsam aufgebaut. Die Erfahrungen in Poznan dürfte das Quartett auf dem Weg dahin einen grossen Schritt weiterbringen.

Drysdale in Pole-Position

International stehen in Polen vor allem die 14 olympischen Bootsklassen und insbesondere der Männer-Skiff und der Männer- Achter im Mittelpunkt. Grosser Favorit im Einer ist der dreifache Weltmeister Mahe Drysdale aus Neuseeland, der diese Saison in München und Luzern gewonnen hat. Sein härtester Widersacher dürfte der Brite Alan Campbell sein, der in Banyoles siegte und in München Zweiter wurde. Auch Olympiasieger Olaf Tufte (No) meldete seine Titel-Ambitionen mit den Weltcup-Rängen 2 (Banyoles) und 3 (München) an. Der Deutsche Marcel Hacker hat derweil die Bootsklasse gewechselt und geht nun in einem Mannschaftsboot auf Medaillenjagd.

Deutschland-Achter wieder da

Im Achter hat sich Deutschland nach dem Flop in Peking eindrücklich zurückgemeldet und den Weltcup-Final auf dem Rotsee sicher gewonnen. Olympiasieger Kanada musste dabei eine klare Niederlage einstecken. Zu beachten sind auch die Amerikaner, die Australier und die Holländer. Nicht aus den Augen lassen darf man zudem die Polen, die vor eigenem Publikum durchaus zu einem Exploit fähig sein könnten.


Poznan (23. bis 30.8.). Weltmeisterschaft. Das Schweizer Aufgebot. Männer. Offene Bootsklasse. Doppelzweier (17 Boote): André Vonarburg/Florian Stofer (SC Sempach). Coach: Michael Erdlen/Tim Foster. – Leichtgewichte. Skiff (25): Frédéric Hanselmann (Lausanne Sports). Coach: Arnaud Bertsch. – Zweier ohne (11): Simon Niepmann (SC Zürich)/Oliver Angehrn (Grasshopper). Coach: Simon Cox. – Vierer ohne (21): Mario Gyr (SC Luzern)/Lucas Tramèr (CA Vésenaz)/Patrick Joye (Grasshopper)/Silvan Zehnder (SC Zürich). Coach: Cox.

Frauen. Leichtgewichte. Skiff (17): Pamela Weisshaupt (Titelverteidigerin/SC Küsnacht). Coach: Claudia Blasberg.


Schweizer WM-Medaillengewinner
Gold (10). 1966 in Bled (Jug): Melchior Bürgin/Martin Studach, Doppelzweier. – 1975 in Nottingham (Gb): Reto Wyss (RC Aarburg), Leichtgewichts- Skiff. – 1977 in Amsterdam: Reto Wyss (RC Aarburg), Leichtgewichts-Skiff. – 1978 in Kopenhagen: Pierre Kovacs/Pierre Zentner/Thomas von Weissenfluh/Michael Raduner, Leichtgewichts-Vierer ohne. – 1982 in Luzern: Bruno Saile/Jürg Weitnauer/Hans-Konrad Trümpler/Stephan Netzle, Vierer ohne. – 1995 in Tampere (Fi): Michael Gier/Markus Gier, Leichtgewichts-Doppelzweier. – 1997 in Aiguebelette (Fr): Benedikt Schmidt/Mathias Binder, Leichtgewichts-Zweier ohne. – 1998 in Köln: Pia Vogel, Leichtgewichts-Skiff. – 1999 in St. Catherines (Ka): Vogel, Leichtgewichts-Skiff. – 2008 in Linz (Ö): Pamela Weisshaupt, Leichtgewichts-Skiff.

Silber (9). 1981 in München: Saile/Weitnauer/Trümpler/Netzle, Vierer ohne. – 1989 in Bled: Markus Gier/Philipp Felber/Reto Fierz/Cirillo Ghielmetti, Leichtgewichts-Doppelvierer. – 1990 in Tasmanien (Au): Ueli Bodenmann/Beat Schwerzmann/Alexander Ruckstuhl/Marc Nater, Doppelvierer. – 1993 in Roudnice (Tsch): Gier/Gier, Leichtgewichts-Doppelzweier. Nicolai Kern (RC Aarburg)/Markus Feusi/Hubert Wagner/Reto Fierz, Leichtgewichts-Vierer ohne. – 1994 in Indianapolis (USA): Xeno Müller, Skiff. – 1997 in Aiguebelette: Michael Bänninger, Leichtgewichts-Skiff. – 1998 in Köln: Müller, Skiff. – 1999 in St. Catherines: Müller, Skiff.

Bronze (13). 1962 in Luzern: Hugo Waser/Adolf Waser, Zweier ohne. – 1978 in Karapiro (Neus): Saile/Weitnauer, Doppelzweier. – 1979 in Bled: Netzle/Trümpler, Zweier ohne. Thomas Wehrli/Zentner/von Weissenfluh/Kovacs, Leichtgewichts-Vierer ohne.– 1980 in Hazewinkel (Be): Kurt Steiner/ Reto Wyss (RC Aarburg), Leichtgewichts- Doppelzweier. – 1982 in Luzern: Steiner/Pius Z'Rotz, Leichtgewichts-Doppelzweier. – 1983 in Duisburg: Z'Rotz/Roland Rosset, Leichtgewichts-Doppelzweier. – 1985 in Hazewinkel: Urs Steinemann/Weitnauer, Doppelzweier. – 1992 in Montreal: Gier/Gier, Leichtgewichts-Doppelzweier. – 1994 in Indianapolis: Gier/Gier, Leichtgewichts-Doppelzweier. Vogel, Leichtgewichts-Skiff. – 1998 in Köln: Gier/Gier, Leichtgewichts-Doppelzweier. – 2001 in Luzern: Vogel, Leichtgewichts-Skiff.